Das 16. Jahrhundert

Die Geschichte der Löblichen Singergesellschaft von 1501 Pforzheim

Das 16. Jahrhundert

„Der Orden der Starkmüthigen“

Wer jene Menschen waren, die sich wahrscheinlich im Spätsommer 1501 in Pforzheim zusammentaten, um den Pesttoten ein Minimum an christlichem Begräbnis zu gewähren und möglicherweise auch die Kranken zu versorgen – wir wissen es nicht. Die mehrfachen Zerstörungen Pforzheims im 17.Jahrhundert vernichteten alle frühen Zeugnisse der Singergesellschaft.

Älteste erhaltene Ansicht der Stadt Pforzheim.
Um 1585 von Doctor Georgius Gadner auf Pergament
gezeichnet in der Karte des Wildbader Forstes der Markgrafschaft Baden

Wer sie auch immer waren, die ersten Singer, sie hatten Mut und folgten durch ihre Taten Christi Werken der Barmherzigkeit und dem Gebot der Nächstenliebe.

1501 wütet die Pest in Pforzheim und fordert
mindestens ein Drittel der Einwohnerschaft als Opfer.
Die Angst geht um und die Menschen beten und bitten um einen gnädigen Tod.
Eine solche Bitte ist uns aus jener Zeit überliefert:
„Oracio ad Jesum pro (…) bono fin“
„Gebet zu Jesus um einen guten Tod“;
aus dem Gebetsbuch des Hirsauer Mönchs Johannes Widmann aus Pforzheim, 1512

Und ihre Taten waren das Mindeste, was man damals tun konnte, im Angesicht der Machtlosigkeit der Medizin wo die Institutionen der Krankenpflege ihre Tore sperrten und Flucht das oberste Gebot war. Und die Geschichte ihrer Entstehung – die sich nahtlos in die Zeit um 1500 einfügen läßt – wurde von Generation zu Generation über die Jahrhunderte weitergegeben. Historisch greifbar belegt ist die Singergesellschaft erst mit dem späten 17. Jahrhundert und mit der Reorganisation 1701, wenige Jahre nach dem Ende des „Pfälzischen Krieges“. Diese Quellen fielen am 23. Februar 1945 der Zerstörung anheim.

Die Gründung der Löblichen Singergesellschaft als Pest- oder Begräbnisbruderschaft (auch „Gesellschaft“) war 1501 ein zwar persönlich mutiges, doch kein außergewöhnliches Ereignis, so geschah es an manchen Orten. Das Besondere an der Pforzheimer Singergesellschaft ist ihr Fortbestand über einen Zeitraum von 500 Jahren.

„Memento mori“ – „Gedenke des Todes“, soll der Leitspruch
der ersten Singer gewesen sein, Motiv aus dem Stammbuch

Die erste Hürde war dabei die Reformation. Das Bruderschaftswesen geriet früh ins Schußfeld der Reformatoren. Neben kultischer Absonderung, Prunk- und Genußsucht wurde vor allem soziale Unverträglichkeit angeprangert, denn das einzelne Mitglied hatte oft hohe Beiträge zu leisten. 1533 verschmolz Markgraf Ernst das Vermögen der Pforzheimer Bruderschaften zu einem allgemeinen städtischen Almosenfond. Die endgültige Einführung der Reformation 1556 bedeutete das Ende der Bruderschaften.

Titelblatt der am 1.6.1556 in Pforzheim erlassenen Kirchenordnung,
mit der Markgraf Karl II. die Reformation in der
„Marggraveschafft Baden, Pforzheimer theils“ einführte

“Der Orden der Starkmüthigen”, Pforzheims Singergesellschaft überlebte unter Verzicht auf den katholischen Toten- und Bruderschaftskult als Begräbnisgesellschaft und mag auch bei den späteren Pestepidemien ihrem ursprünglichen Zweck gedient haben, denn die Pest zog weiter durch das Land.